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Am 14.10.1992 wurde
in Dortmund die "Steinwache" als Mahn- und Gedenkstätte eröffnet.
In der Mahn- und Gedenkstätte befindet sich die ständige Ausstellung
"Widerstand und Verfolgung in Dortmund 1933-1945" des Stadtarchivs Dortmund,
welche In den vergangenen drei Jahren von über 36.000 Personen besucht
wurde.
| Zur Geschichte des
Gebäudes |
Um 1926/27 wurde mit dem Erweiterungsbau
des Polizeireviers im Dortmunder Norden begonnen. Im Baustil der "Neuen
Sachlichkeit" wurde neben dem Gebäude des 1906 errichteten Polizeireviers
ein fünf Stockwerke hoher Verwaltungs- und ein ebenfalls
fünfgeschossiger Polizei- Gefängnistrakt errichtet, der im Herbst
1928 bezugsfertig war.
Nach der Fertigstellung des Polizeigefängnisses galt die Steinwache
ab 1929 - in einschlägigen Kreisen auch Burg am Steinplatz' genannt
- in der Dortmunder Bevölkerung als Standort der Polizei.
Gegen Ende der Weimarer Republik zählte das Gefängnis, in dem man
einen sozial- integrativen Strafvollzug praktizierte, zu den modernsten in
Deutschland. Der Verbindungsbau zwischen dem Verwaltungs- und
Gefängnistrakt, in dem heute Büros der Auslandsgesellschaft NRW
sind, diente vor 1933 vorwiegend als Schlaf- und Schulungsgebäude des
Polizeipersonals.
Einem Presseartikel des Dortmunder Generalanzeigers vom 16.6.1927 zufolge,
befanden sich im Gefängnistrakt im 1. Obergeschoss Zellen für insgesamt
45 Gefangene, im 2. Obergeschoss für 43 und im 3. Obergeschoss für
38 Gefangene.
Das Erdgeschoss des Gefängnisses enthielt Vernehmungs-, Aufnahme- und
Wartezimmer, Gefangenenküche und Arztraum sowie die Wohnung des wachhabenden
Polizeibediensteten.
Die komplizierte Gebäudestruktur
des Gefängnisses (über 50 kleine Zellen) machte eine komplette
Neugestaltung und inhaltliche Umstrukturierung der ursprünglichen
Dokumentations- und Ausstellungsfassung von 1981 erforderlich. An einigen,
authentisch überlieferten Stellen des ehemaligen Gestapo-Gefängnisses
wurden Einzelbereiche sachlich-nüchtern rekonstruiert (Verhörzelle,
Fertigmachzelle, exemplarische Nachbildung einer Gefängniszelle).
Aufgrund eines Farbgutachtens, das auf Anregung des Westfälischen
Museumsamtes Münster in Auftrag gegeben worden war, um den
ursprünglichen Farbanstrich des Gefängnistraktes um 1933 genau
feststellen zu können, sind zahlreiche Zelleninschriften von
Häftlingen entdeckt und dokumentiert worden.
Thematisch im Mittelpunkt der ständigen Ausstellung steht - entsprechend
der Sozialstruktur der Industriestadt Dortmund - der Widerstand der
Arbeiterschaft gegen das NS-Regime. In großem Maße wurde bei
der Neukonzeption der Ausstellung jedoch auch der Aspekt der Verfolgung von
Minderheiten mit einbezogen. Der Geschichte des Gestapogefängnisses
entsprechend wurden der NS-Verfolgungsapparat und die NS-Justiz eingehend
dargestellt, ebenso auch Gruppen von Verfolgten, wie ausländische
Zwangsarbeiter, polnische Minderheiten, Sinti und Roma, psychisch Kranke
(Euthanasie) sowie Wehrdienstverweigerer und Deserteure
berücksichtigt.
Die Ausstellung, die sich über fünf Stockwerke auf ca. 1200
Quadratmeter erstreckt, trägt in vielen Bereichen stark biografische,
lokalgeschichtliche Züge, ohne deren Einbindung in den historischen
Kontext der Geschichte des Deutschen Reiches zu vernachlässigen.
Es werden Widerstandsaktionen und Protestformen in ihren personellen
Verflechtungen und Abhängigkeiten in ausdruckstarken Fotos, Dokumenten,
Briefen und persönlichen Berichten festgehalten und dargestellt.
Persönliche Erinnerungen von Zeitzeugen an die NS-Verfolgung können,
an verschiedenen Stellen der Ausstellung, in Form von Video- und
Tonpräsentationen abgerufen werden.
| Die Aufgaben der Mahn- und
Gedenkstätte |
Der Schwerpunkt der alltäglichen
Arbeit liegt in der Vermittlung der lokalen Geschichte des Nationalsozialismus
und seiner Gegner. Die kritische Auseinandersetzung mit dieser stadtgeschichtlich
wichtigen Epoche der deutschen Geschichte wird durch die Form der
Ausstellungspräsentation gefördert.
Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt ist die Weiterführung wissenschaftlicher
Forschungsarbeit und die Ersatzdokumentation. Die Zeitzeugenbefragung der
Video- oder Tonträger soll umfangreich fortgesetzt werden. |