Gedenken zum Tag der Bücherverbrennung 10. Mai 1933  

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  Wenn du diese Geschichte gelesen hast, dann wirst du vielleicht begreifen, warum die Nazis einen solchen Schriftsteller nicht dulden konnten. Er war Pazifist! Er hat den Krieg gegeißelt, er hat gekennzeichnet wie idiotisch der Kampf zwischen dem deutschen und dem französischen Volk war. Und deswegen musste er aus den Schränken und aus den Bibliotheken verschwinden, wie viele andere.
Herr Gatter, sie waren zum Zeitpunkt der Bücherverbrennung 10 Jahre alt. Haben sie davon schon etwas mitbekommen?  
Ja, ich habe davon schon etwas mitbekommen. Ich war mit meinem Vater auf dem Nachhauseweg, wir hatten jüdische Freunde verabschiedet, die nach Israel emigrierten und ich hörte ein großes Geschrei und Lautsprecher, aber mein Vater zog mich vorbei, ich konnte also nichts erleben, und wir sind nach Hause gegangen. Aber in der Schule hatte ich einen Klassenlehrer, der hatte die Schülerbücherei, und der holte uns am nächsten Tag, uns Jungen, ich war damals in der vierten Klasse, und sagte, wir müssen Bücher aussortieren, die können wir nicht mehr gebrauchen. Na ja, ich dachte es sind alte Bücher, werden nicht mehr gebraucht, also, die Bücher raus, die kamen in große Wäschewannen und dann sagte er, morgen kommt ihr wieder, und ihr bringt dann Obstkisten mit, leere Obstkisten, na ja, schön, wir bringen leere Obstkisten mit und dann macht der doch auf dem Schulhof einen kleinen Scheiterhaufen und dann mussten wir die Bücher holen und dann mußten wir, diese Bücher, die wir ausgesucht haben, da ist z.B. "Emil und die Detektive" dabei, was ich als Kind gelesen habe, die mussten wir auf dem Schulhof verbrennen und der Lehrer stand grinsend dabei. Das war meine persönliche Bücherverbrennung.

Wie empfanden sie den Lehrer, der mit Ihnen die Bücherverbrennung durchgeführt hat?

Ich fand's fies! Eh, ich fand's deswegen fies, weil erstens Bücher nichts dafür können, wenn sie gedruckt werden, ich fand es fies, weil er nicht bereit ist die Meinung anderer gelten zu lassen und ich fand vor Allem sein Lächeln und so fies. Er trug hier ein großes Parteiabzeichen!
Hmmhh! Haben ihre Eltern mit ihnen über die Bücherverbrennung gesprochen?
Eh, nein. Er hat, mein Vater hat nicht sehr viel darüber gesprochen, das liegt aber daran, eh, wir sind ja eine verfolgte Familie, durch die Nazis verfolgte, und mein Vater hat alles getan um politische Gespräche zu Hause zu vermeiden. Aus einem ganz einfachen Grunde, Kinder erzählen schnell unbedacht mit ihren Klassenkameraden über Dinge, die auch zu Hause sind. Es konnten also auch Bemerkungen dann fallen, die in der damaligen Zeit sicher nicht positiv für unsere Familie waren. Mein Vater hat einfach aus Schutz für die eigene Familie über politische Dinge während der Nazizeit mit uns nicht gesprochen.
Was haben Sie in ihrer Kindheit und später für Bücher gelesen?
Ja, den Egon Erwin Kisch kannte ich bereits. Und wenn ich so daran denke, "Emil und die Detektive", "Pünktchen und Anton" sind ja zwei Bücher von Erich Kästner, seine Bücher sind verbrannt worden, mit Ausnahme von Emil und die Dedektive. Den Kleinen Lord habe ich gelesen, natürlich Robinson Crusoe und die Karl May-Bände, also eine ganze Reihe von Büchern, die es jetzt auch noch gibt.
Ich weiß, dass sie Lehrer und Vater sind. Was haben sie ihren Kindern über die Bücherverbrennung erzählt?,
Also meinen eigenen Kindern brauchte ich nicht sehr viel zu erzählen. Die waren von sich aus sehr interessiert und haben eigentlich mehr mich gefragt, als sie vom Geschichtsunterricht her diese Problematik kennen lernten. Anders war es bei meinen Schülern: Denen habe ich über die Nazizeit sehr, sehr viel erzählt, ich meine ich bin nicht mehr im Schuldienst, ich kanns jetzt sagen, ich hab' die Lehrpläne so'n bisschen gekürzt, den ersten Weltkrieg habe ich nicht behandelt, ich hab' die Zeit zwischen 1870 und dem ersten Weltkrieg kaum behandelt. Hatte damit aber Zeit, das Nazireich zu behandeln und habe diese Dinge sehr intensiv behandelt, weil ich aus den Schulbüchern schon weiß, wusste, dass die Nazizeit sehr falsch gelagert wurde in der Besprechung. Es kam immer erst alles so Schlimmes auf, 1938 und 39, 1940. Die Vertreibung begann 1933 und die Bücherverbrennung ist auch eine Vertreibung gewesen. Und deswegen habe ich über diese Dinge sehr viel gesprochen im Geschichtsunterricht.
Wissen sie, ob irgendwelche Bücher gerettet werden konnten?
Eh, Bücher die eigentlich verbrannt werden sollten, es wird sicher einige Bücher geben, beispielsweise die Bücher meines Vaters sind nicht verbrannt worden, die sind gerettet, die sind dann also erst 1945 verloren gegangen, als wir unser Haus verloren. Aber ich denke schon, dass es viele Menschen gibt, die diese Bücher, weil sie ihnen gefielen, behalten haben. Aus den Büchereien und aus den Buchläden sind sie verschwunden gewesen. Was mit ihnen passiert ist weiß ich nicht!
Ja, das war nun ein kleiner Rückblick!

Das hast du aber prima gemacht!
Übrigens, ich schenk' dir das Buch!
Du hast so schön gearbeitet, ich schenk' dir das, lies alles andere auch mit!
Danke!


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27.09.2001