| Spiele der XI. Olympiade
in Berlin |
 |
Daten: Vom 1. bis 16. August
nahmen 328 Frauen und 3738 Männer aus 49 Ländern an 129 Wettbewerben
in 20 Sportarten teil.
Die Spiele waren unter der Leitung von Joseph Goebbels, Carl Diem und
Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten (1887-1943) perfekt
vorbereitet worden: Antisemitische Parolen verschwanden vorrübergehend
aus dem Stadtbild, die sonst übliche Hetze gegen die Juden war für
die Dauer der Spiele auch in den Medien verboten. Für die Spiele entwarf
der Architekt Werner March (1894-1976) für das Reichssportfeldgelände
das neue Olympiastadion, das Maifeld, einen Glockenturm, die Langemarck-Halle
und den Statuenschmuck Josef Thoraks (1889-1952). Die Wehrmacht erbaute westlich
von Berlin in Döberitz das Olympische Dorf, das nach Ende der Olympischen
Spiele von ihr als Kaserne genutzt wurde. Für die deutschen Besucher
wurde eine Kraft-durch-Freude-Stadt errichtet.
Der Olympische Fackellauf feierte seine Premiere.
Das Programm: Durch 15 Kunstwettbewerbe und die Demonstrationssportarten
Baseball und Segelflug wurde das Programm erheblich erweitert. Neu im Programm
waren außerdem der Kanusport, Basketball, Handball und (wieder) Polo.
Der Austragungsort: Das IOC hatte 1931 die Spiele an Berlin vergeben,
das sich gegen Barcelona und elf andere Städte (darunter auch
Frankfurt am Main, Nürnberg und Köln) durchgesetzt hatte. Zum ersten
Mal war das Fernsehen dabei, übertrug die Ereignisse in 25 Berliner
Hallen.
Hielt sich das Nazi-Regime bei den Winterspielen von Garmisch-Partenkirchen
1936 noch ziemlich im Hintergrund, so sollte nun in Berlin der Propaganda-Effekt
voll genutzt werden. Überall flatterten Hakenkreuzfahnen, die Zeitungen
feierten das "Neue Deutschland".
Die Überlegenheit der "arischen Rasse" sollte demonstriert werden
und quasi als Alibi für die Rassenverfolgung durften der Eishockeyspieler
Rudi Ball und die Jüdin Helene Meyer, schon 1928 Olympiasiegerin, am
Fechtturnier teilnehmen. Sie wurde Zweite hinter der Jüdin Ilona Elek
aus Ungarn. Öffentliche Gelder wurden in einem nie gekannten Ausmaß
in diese Spiele investiert, die in jeder Hinsicht perfekt und bis ins Detail
geplant waren.
Bei der Eröffnungsfeier sprach Adolf Hitler die olympische
Eröffnungsformel und der Marathon-Olympiasieger von 1896, Spiridon Louis,
überreichte dem Diktator einen Olivenzweig. Mannschaften, die nicht
den Hitler-Gruß zeigten, wurden vom Publikum ausgebuht (USA), die
Österreicher entboten diesen "Gruß" und die Franzosen wurden bejubelt,
weil man ihren "olympischen Gruß" für die "Heil-Bewegung" hielt.
Hintergründe: Über den Spielen hingen bereits die Schatten
eines drohenden Weltkrieges. Der Spanische Bürgerkrieg tobte seit Juli,
italienische Truppen waren in Abessinien, japanische in die Mandschurei
eingefallen. In Deutschland herrschte Judenverfolgung.
Boykottbestrebungen: Aus politischen Gründen, vor allem aus Ablehnung
der deutschen Rassengesetze gegen die Juden von 1934, erwogen viele NOK´s,
die Spiele zu boykottieren. Darunter auch das NOK der USA, aber dessen
Präsident Avery Brundage drängte auf Teilnahme. Er vertrat die
Meinung, Sport habe mit Politik nichts zu tun.
Medaillenbilanzen: Durch die gewaltigen Investitionen konnte Deutschland
mit einer zahlen- und leistungsmäßig gewaltigen Mannschaft auftreten,
die mit 33 mal Gold, 36 mal Silber und 3 mal Bronze vor den Sportlern aus
den USA (24/20/12) die erfolgreichste bei den Spielen war.
Erfolge: Es fanden Wettkämpfe auf einem bis dahin nie gesehenen
hohen Niveau statt. Das war zum größten Teil Verdienst der zehn
schwarzen Mitglieder des US-Leichtathletikteams. Von der Nazi-Presse als
"schwarze Hilfstruppen der Amerikaner" bezeichnet, gewannen sie sieben Mal
Gold und je drei Mal Silber und Bronze. An der Spitze stand natürlich
Jesse Owens, der insgesamt vier Mal Olympiasieger wurde: 100 m, 200 m,
Sprintstaffel und Weitsprung. Er war der Star der Berliner Spiele. Bei den
Langstrecken dominierten wieder die Finnen. Mit je fünf bzw. sechs gewannen
die deutschen Turner Konrad Frey (3/1/2) und Alfred Schwartzmann (3/0/2)
die meisten Medaillen bei diesen Spielen. Mit Ausnahme von Basketball,
Fußball und Polo gewannen deutsche Athleten in allen Sportarten Medaillen.
Beeindruckend war besonders das Weitsprung-Duell zwischen Lutz Long und Jesse
Owens. Einen tragischen und tränenreichen Verlauf nahm die Sprintstaffel,
in der die deutschen Mädchen klar favorisiert waren. Beim Wechsel zwischen
Maria Dollinger und der
Schlussläuferin Ilse Dörffeldt fiel das Staffelholz auf die Aschenbahn.
Der Traum war vorbei. Die deutsche Mannschaft gewann des weiteren das einzige
Feldhandballturnier in der olympischen Geschichte vor Österreich und
der Schweiz.
Fazit: Die Spiele in Berlin waren die bis dahin leistungsstärksten
und die am besten organisierten. Das Berliner Olympiastadion bot 110 000
Menschen Platz, das daneben liegende Schwimmstadion 18 000. Sportbauten und
Olympisches Dorf (mit festen Ziegelhäuschen und 38 Speisesälen)
waren perfekt, Zeitnahme und Ergebnisdienste auf dem neuesten technischen
Stand. Für über 3000 Journalisten gab es Bulletins in 14 Sprachen.
Aber sie werden wegen der politischen Hintergründe und des Missbrauchs
der olympischen Idee zu Propagandazwecken sehr zwiespältig in Erinnerung
bleiben. |