Fläche: 7 692 030 km²
Einwohner: 18 967 000 = 2,5 je km²
Hauptstadt/Regierungssitz: : Canberra 309 900 Einwohner
Amtssprache: Englisch
Bruttosozialprodukt 1998 je Einwohner 21000$
Währung: 1 Austral. Dollar ($A)
Politische Führung: Staatsoberhaupt: Elizabeth II.
Regierungschef: John Winston Howard
Nationalfeiertag: 26.1. Eintreffen erster weißer Siedler im
Jahre 1788
Landesstruktur: 6 Bundesstaaten und 2 Territorien
Politisches System: Bundesstaatliche parlamentarische Monarchie (im
Commonwealth) und ihrer eigenen Verfassung.
Sie enthält Komponenten der britischen, kanadischen, amerikanischen
und schweizerischen Demokratien.
Die britische Monarchie wird vom Generalgouverneur vertreten. Er fungiert
gleichzeitig als Staatsoberhaupt.
Es herrscht Wahlpflicht.
Das Frauenwahlrecht gibt es schon seit 1902
Bevölkerung Australien hat eine Bevölkerungsdichte von nur
2,4 Einwohnern pro km². In Australien leben 85% der Menschen in der
Stadt und 15% auf dem Land. Die durchschnittliche Lebenserwartung in Australien
beträgt 79,9 Jahre. In Australien sind zwei ethnische Gruppen vorhanden,
es sind die Weißen mit 95% und die Aborigines und andere mit 5%. Man
spricht in Australien zwei verschiedene Sprachen, Englisch als Hauptsprache
und die Sprache der Aborigines.
Geschichte Autralien war die letzte grosse Landmasse, die von den
Europäern entdeckt wurde. Lange bevor die Briten den Kontinent in Besitz
nahmen, hatten europäische Forscher und Kaufleute von den Reichtümern
Australiens geträumt.
Der Hafen von Sydney ist das Herzstück der Metropole.
Der Architekt Jorn Utzon hat das "Sydney Opera House" entworfen. Das "Sydney
Opera House" ist der kulturelle Mittelpunkt von Sydney.
Im Januar 1788 erreichte Kapitän Arthur Phillip mit der sogenannten
First Fleet", beladen mit über 1.000 englischen Sträflingen,
Seeleuten und Soldaten, Sydney Cove, eine Seitenbucht des Port Jackson
nördlich der Botany Bay. Hier gründete er eine Strafkolonie, die
die Keimzelle der heutigen Millionenstadt Sydney bilden sollte. Weitere
Strafkolonien folgten. Schon 1868 stellte England die Deportation von
Häftlingen nach Australien ein. Sie bildeten zusammen mit ihren Nachkommen,
begnadigten Sträflingen und freiwilligen Aussiedlern den Grundstock
der heutigen Gesellschaft Australiens.
Mit dem Zustrom freier Immigranten und der Gründung neuer Siedlungen
entlang der Küsten wuchs auch das politische Selbstbewusstsein. Australien
begann, sich von einem "Gefängnis" zu einer Nation zu entwickeln. Ein
wichtiger Schritt in dieser Entwicklung bedeutete der Australian Colonies
Government Act im Jahr 1850: Formell wurde den Kolonien New South Wales,
Tasmanien, Victoria und Südaustralien eine weitgehende Autonomie
zugesprochen. Queensland, Westaustralien und das Nordterritorium folgten
wenig später. Alle Kolonien bekamen eine eigene Verfassung und ein eigenes
Parlament. Allerdings lag die Außen-, Verteidigungs- und Handelspolitik
weiterhin in den Händen Englands. Am 1. Januar 1901 wurde schließlich
- nach zähen Verhandlungen und Volksentscheiden - das Commonwealth of
Australia gegründet.
Die USA haben ihre Identität im Befreiungskampf gegen die britische
Monarchie gewonnen. Der "Independent Day" ist Nationalfeiertag. Australien
aber gewann seine Bedeutung für die britische Krone erst, als sich die
USA von Großbritannien lösten. Da konnte man die Strafgefangenen
nicht mehr nach Amerika schicken. Man verschiffte sie nach Australien.
Die Jahre zwischen den Weltkriegen waren vor allem von der Weltwirtschaftskrise
geprägt. Im Zweiten Weltkrieg sah sich Australien durch die bevorstehende
Invasion Japans erstmals direkt bedroht. Die Erkenntnis, dass England als
Schutzmacht nicht in Frage kam, führte dazu, dass der damalige
Premierminister John Joseph Curtin in einer historischen Erklärung Amerika
um Hilfe bat.
Die Zeit nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bescherte Australien ein
Wirtschaftswunder, und eine Fase der innerpolitischen Umorientierung brach
an.
Religionszugehörigkeit 25% Anglikaner, 27% Katholiken, 24% Christen
und 24% Religionslose oder die einer anderen Religion angehören.
Wirtschaft Die Wirtschaft Australiens gehört zu den
Größten der Erde. Australien exportiert Steinkohle, Gold, Wolle,
Tonerde, Weizen, Milch- und Fleischprodukte, Maschinen- und Fahrzeugteile
und Erdöl. Australien importiert Computer, Bürogeräte, Eisen,
Stahl, Papier- und Papierprodukte, Chemikalien, Textilien.
Über Wirtschaftsalternativen wird in Australien noch zu wenig nachgedacht.
Dem Land fehlen Absatzmärkte für Wolle, Weizen, Rindfleisch oder
Mineralien, und so können die teuren Importe nicht finanziert werden.
Die Arbeitslosenrate liegt bei 11% (1999), und die Übersee-Verschuldung
wächst jährlich. Die Regierung setzt starke Hoffnungen auf die
Einnahmen aus der Tourismusbranche.
Landschaft Drei Hauptlandformen prägen den fünften Kontinent:
das Westliche Tafelland (Great Western Plateau), das Östliche Hochland
(Eastern Highlands), das sich von Queensland bis nach Tasmanien zieht, sowie
die Mittelaustralische Senke oder das Zentrale Tiefland (Central Lowlands),
das sich über Westqueensland, New South Wales, Victoria und
Südaustralien erstreckt.
Australien ist Teil der tropischen, subtropischen und auch gemäßigten
Klimazone. Im Norden herrscht tropisch-heißes Monsunklima und im
Süden subtropisch- warmgemäßigtes Klima. An der NO-Küste
mit dem warmgemäßigten Klima fallen stellenweise jährlich
1 500 mm Niederschlag. Am Rande der Monsunregion beginnt das Savannengebiet.
Dort muss das Wasser aus artesischen Brunnen gepumpt werden (jährlich
weniger als 250 mm Niederschlag. In den "Australischen Alpen liegt gelegentlich
Schnee.
Präambel abgelehnt 1999 - 12,3 Millionen Wahlberechtigte haben
entschieden: Queen Elizabeth II. bleibt australisches Staatsoberhaupt. Australien
sollte sich nach innen und außen als eigenständige Gesellschaft
präsentieren, als eine liberale, eine offene und multikulturelle
Gesellschaft. Ausdruck dieser Eigenständigkeit wäre ein
selbstständig gewähltes Staatsoberhaupt gewesen. Australien hat
sich dafür entschieden, britisch zu bleiben, und sich scharf von den
Nachbarn abzugrenzen. Die chaotischen Vorgänge in Indonesien haben im
Sommer und Herbst 1999 auf viele Australier abschreckend gewirkt. Nun ist
Australien zwar multikulturell - Nachkommen fast aller europäischen
Voelker leben hier zusammen -, aber ein Grundproblem ist nach wie vor nicht
gelöst:
Welche Rechte billigt der Staat den Ureinwohnern, den Aborigines, zu?
Aborigines Nach dem traditionellen Glauben der Aborigines haben ihre
Urahnen die Welt erschaffen. Diese Zeit wird "Traumzeit" genannt. Die
Stammesväter leben heute noch in ihren heiligen Ritualen und Mythen
weiter. Die besonderen Zeremonien sind die "Corroborees". Bei diesen Zeremonien
erneuern die Aborigines ihre spirituelle Bildung durch Tänze, Gesänge
und Geschichten. Die Körper werden für die Zeremonien aufwändig
geschmückt. Die Aborigines jagen mit dem Pfeil und Bogen, aber manchmal
auch mit dem Boomerang. Außerdem haben die Aborigines eine sehr lange
Musiktradition. Das auffälligste Musikinstrument ist das Didgeridoo.
Es ist 1 - 3 m lang und besteht aus einem Ast eines Eukalyptusbaums, der
Hauptnahrungsquelle der Koala-Bären. Der Ast wird in einen
Termitenhügel gesteckt und dadurch von innen ausgehöhlt. Das Didgeridoo
hat kein separates Mundstück, sondern ist im Grunde ein allseits offenes
Rohr. Es wird bei Festlichkeiten und rituellen Tänzen gespielt. So hat
Peter Maffey mit seiner Band und einigen Aborigine-Musikern dieses Instrument
auch in Deutschland populär gemacht.
Apartheid in Australien? Viele Angehörige der
Aborigine-Gemeinschaften, deren Vorfahren im Laufe der letzten 200 Jahre
aus ihrem Lebensraum vertrieben, diskriminiert und verfolgt wurden, geben
auf die Frage ein eindeutiges "Ja"! Die meisten von ihnen sind von einem
selbständig organisierten Leben weit entfernt und werden nach wie vor
in die Rolle von Bittstellern gedrängt, die am Rande einer Gesellschaft
dahinvegetieren. Einer Gesellschaft, die sich offen, warmherzig und
gastfreundschaftlich zeigt, aber je nach Hautfarbe und Herkunft des Gastes
in sich gespalten ist.
Der immer spürbare Rassismus beschäftigt auch internationale
Institutionen. Das Komitee zur Verhütung von Rassendiskriminierung bei
den Vereinten Nationen (CERD) empfahl im März 1999 unter Verweis auf
Artikel 2 und 5 der Konvention zur Überwindung von Rassendiskriminierung
der australischen Regierung dringend, die 1998 eingebrachten Zusätze
zum Landrechtsgesetz (Native Title Amendment Act) auf ihre diskriminierenden
Folgen für die Ureinwohner des Landes zu überprüfen. Das war
eine diplomatische Rüge ersten Ranges. Das Ergänzungsgesetz beschneidet
den Landrechtsanspruch der Aborigines ausdrücklich und immer noch.
Landrechte
Seit den 60er Jahren fordern die Aborigines Landrechte vor allem über
Gebiete mit besonders religiöser, kultureller und geschichtlicher Bedeutung.
1976 wurde der Aboriginal Rights Act für den Bundesstaat Northern Territory
verabschiedet. In Folge dieses Gesetzes befindet sich mittlerweile rund die
Hälfte des Nordterritoriums in Händen von Aborigines. Im Juni 1992
erkannte der Oberste Gerichtshof mit dem "Mabo-Urteil" das Bestehen von
Landrechten für ganz Australien an. 1993 setzte die dortige Bundesregierung
den "Native Title Act" in Kraft, der neben den Landrechten auch
Entschädigungszahlungen regeln sollte. Mit Ausnahme von Western Australia,
wo die Interessen der Bergbaugesellschaften besonders stark vertreten sind,
übernahmen die meisten Bundesstaaten diese Gesetzgebung. Das Wik-Urteil
aus dem Jahr 1996 erweiterte nochmals die Landrechte der Aborigines. 80 Prozent
des Kontinents würden demnach dem allgemeinen Recht der "Native Titles"
unterliegen. Dem Bestandsschutz der Pächter (für Weideland) sollte
laut Urteil im Streitfall zwar größeres Gewicht beigemessen werden,
aber der Zugang etwa zu heiligen Stätten oder traditionellen Jagd- und
Fischfanggebieten hatte jetzt eine legale Grundlage. Dagegen erhob sich der
Protest der Pächter und der Bergbaugesellschaften, so dass die konservative
Regierung Howard im Juli 1998 einige Rechtsfolgen aus dem Wik-Urteil wieder
aufhob.
Ähnlich verhält es sich mit einem Urteil vom Oktober 1999 (Fall
Yanner), das den Aborigines das Recht zugesteht, ihrer traditionellen Jagd
und Fischerei nachzugehen, soweit diese dem persönlichen Verzehr dienen.
Die Regierungen einzelner Bundesstaaten protestierten dagegen und warnten,
dass die Ureinwohner nun auch in Schutzgebieten jagen dürften. Ebenso
meldeten sich Umweltschützer zu Wort und malten die Gefährdung
seltener Tierarten an die Wand. Aborigines sind gewiss keine Umweltengel,
und eine Auseinandersetzung um den Schutz von Flora und Fauna in manchen
Gegenden ist notwendig. Sie kann jedoch nur auf dem Weg gemeinsam ausgehandelter
Regelungen erfolgreich sein, nicht durch bevormundende Verbote über
die Köpfe der Ureinwohner hinweg.
Sozialer Alltag Australien hat 1975 das internationale Abkommen über
wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (WSK-Rechte) sowie 1980 das
internationale Abkommen über zivile und politische Rechte ratifiziert,
die u.a. den Schutz vor Diskriminierung garantieren sollen. Artikel 6 der
WSK-Rechte beinhaltet das Recht auf Arbeit. Den Aborigines steht dieses Recht
offenbar nicht zu. Die Arbeitslosenrate unter Aborigines bewegt sich zwischen
38 bis über 50 Prozent. Die Vergleichswerte des nationalen Durchschnitts
liegen bei 9 bis 10 Prozent. Mehr als die Hälfte der Aborigine-Jugendlichen
bleibt nach der Schule ohne Arbeit, im Durchschnitt sind es 27 bis 28 Prozent.
In ländlichen Gebieten müssen ganze Gemeinden von der Sozialhilfe
leben. Ebenso git es eine Schere bei den durchschnittlichen Einkommen. Auch
angemessene Wohnbedingungen (Artikel 11 der WSK-Rechte) bleiben angesichts
der Mängel in der allgemeinen Versorgung (Wasser, Kanalisation,
Müllbeseitigung) sowie einer 20fach höheren Obdachlosenrate für
viele ein Traum. Gravierende Mängel sind auch in der Bildungspolitik
sichtbar. 13 Prozent aller Aborigine-Kinder besuchen keine Schule, rund 50
Prozent der übrigen Schulkinder verlassen sie ohne Abschluss. In
ländlichen Gebieten befinden sich weiterführende Schulen zum Teil
mehr als 100 km von den Gemeinden entfernt. Bis in die 60er Jahre wurden
Aborigine-Kinder von ihren Eltern getrennt und in Missionsschulen gesteckt.
Nur noch 20 Prozent der Aborigines sprechen eine ihrer traditionellen
Sprachen.
Gesundheit Artikel 12 der WSK-Rechte soll das Recht auf eine
bestmögliche, physische und mentale Gesundheitsversorgung garantieren.
Seit Jahren schon verweisen Aborigine-Organisationen jedoch auf die doppelten
Standards im Gesundheitswesen, die zu ihren Lasten gehen. Die mittlere
Lebenserwartung der Aborigine-Frauen beträgt 62, die der Männer
57 Jahre, während die australischen Durchschnittswerte bei 81 und 75
Jahren liegen. Krankheiten wie Diabetes, Asthma und Herzerkrankungen, aber
auch Syphilis, Lepra und Trachoma (Augenkrankheit) sind weit verbreitet.
In manchen Regionen sind mehr als 30 Prozent der Bevölkerung davon
betroffen. Viele Kinder leiden an Anämie (Blutarmut), parasitären
Darminfektionen und Hirnschädigungen, die auf eine unzureichende
Ernährung zurück zu führen sind. Zwei- bis viermal so viele
Aborigine-Babys - als im Landesdurchschnitt - sterben bei der Geburt.
Die Regierung begnügt sich mit der Ansicht, 80 Prozent der
Gesundheitsprobleme stünden im Zusammenhang mit Alkohol, Rauchen und
Fettleibigkeit. Über die Ursachen oder Maßnahmen für Abhilfe wird
scheinbar nicht nachgedacht.
Aborigines in Haft Artikel 9 des Abkommens über zivile und politische
Rechte soll u.a. willkürliche Festnahmen verhindern. Im Bundesstaat
New-South-Wales dagegen können Aborigine-Jugendliche bereits beim
bloßen Verdacht einer möglichen Straftat festgenommen werden.
Im Bundesstaat Northern Territory kommen seit 1997 Jugendliche auch bei
geringfügigen Delikten in Haft, zum Beispiel bei Störung der
öffentlichen Ordnung oder Beleidigung von Amtspersonen. Jedes schuldig
gesprochene Kind über 15 wird mindestens mit 28 Tagen Gefängnis
bestraft. Eine 13jährige wurde wegen geringfügiger Delikte für
sechs Wochen über 1500 Kilometer von ihrer Familie entfernt und ohne
jegliche Möglichkeit der Kontaktaufnahme eingesperrt. Auch bei den
erwachsenen Aborigines sind Haftstrafen an der Tagesordnung. Insgesamt landen
die Aborigines 20mal häufiger im Gefängnis als der Rest der
australischen Bevölkerung. Statistisch wurde die Hälfte der
männlichen Aborigines zwischen 20 und 24 in den letzten fünf Jahren
mindestens einmal inhaftiert. Festnahmen wegen Trunkenheit,
ungebührlichem Verhalten, Beamtenbeleidigung und Widerstand
gegen die Staatsgewalt gehören zu den häufigsten Anklagepunkten.
Diese extremen Zahlen haben ihre Ursache auch in der weit verbreiteten Armut
der Aborigines. Sie kommen auch bei Bagatelldelikten meist nicht um die
Haftstrafe herum, weil sie in der Regel Geldstrafen gar nicht bezahlen
können.
Die Haftbedingungen der Aborigines sind inhuman und zugleich entwürdigend
und stehen im krassen Widerspruch zu Artikel 10 des Abkommens über zivile
und politische Rechte. Überfüllte, fensterlose Zellen tragen zu
den hohen Zahlen an Selbsttötungen unter den inhaftierten Aborigines
bei und ist sechsmal höher als im Durchschnitt. Ein 16jähriger
Aborigine, der wegen Verdacht auf Trunkenheit eingesperrt war, erhängte
sich in seiner Zelle in Alice Springs. Die Polizei hatte zuvor weder seine
seelische Verfassung zur Kenntnis genommen, noch sein Verhalten in der Zelle
kontrolliert, oder auch nur seine Familie über seinen Aufenthaltsort
informiert. Dies alles ist der Regierung seit Jahren bekannt. Eine staatliche
Untersuchungskommission stellte entsprechende Forderungen zur Änderung
der strafrechtlichen Verfolgung von Aborigines und der Haftbedingungen auf.
Auch hier fand jedoch bislang kein nennenswerter Fortschritt statt.
Versöhnung oder Verhöhnung? 1991 rief die australische Regierung
zu einem Versöhnungsprozess (reconciliation process) mit
den Aborigines auf, einer auf zehn Jahre angelegten Verhandlungsinitiative,
an deren Ende - zum hundertjährigen Jubiläum der Verfassung - eine
neuer gesellschaftlicher Kontrakt zwischen weißer und indigener
Bevölkerung stehen sollte. Ende Mai 2000 wurde in der Oper von Sydney,
im Rahmen einer Tanzzeremonie (Corroboree), das Abschlussdokument der
Öffentlichkeit übergeben - 33 Jahre nach dem Referendum, das den
Aborigines die volle Staatsbürgerschaft zugestand. Im Gegensatz zu den
damals unmittelbar wirkenden Rechtsfolgen erschöpft sich die
Abschlusserklärung jedoch in bloßen Worten und gutem Willen; und
selbst der gute Wille bleibt fragwürdig. Die von fast allen Aborigines
erwartete förmliche Entschuldigung des australischen Regierungschefs
für die Verbrechen der Vergangenheit blieb aus, ebenso wie die Anerkennung
des Rechtes auf Selbstbestimmung. Die Nominierung der Cathy Freeman als
Schlussläuferín des olympischen Fackellaufes und werbewirksam
eingesetzte Entzünderin der olympischen Flamme, war wohl doch nur ein
dramaturgisches Element. Oder!?
6.11.99 Präambel abgelehnt Eine von Premierminister John Howard
vorgeschlagene Verfassungs-Präambel zur Anerkennung der Eingeborenen
(indigenous people nach neuem Sprachgebrauch - statt Aboriginies),
Kriegsveteranen und Einwanderer wurde ebenfalls abgelehnt. Sie sollte die
Werte zementieren, die den Australiern wichtig sein sollten: Freiheit, Toleranz,
Recht und individuelle Würde. Erwähnt worden wäre auch die
Leistung von Generationen von Einwanderern beim Aufbau des Landes. Heftig
umstritten war der Text zur Bedeutung der Aborigines. Dabei hätten sich
die Australier verpflichtet die Ureinwohner als "das erste Volk" auf dem
Kontinent zu ehren. Sie erkennen an, dass sich Aborigines durch eine "tiefe
Verwandtschaft" (deep kinship") mit der Erde verbunden fühlen. Land
hat in der Mythologie der Ureinwohner seit Jahrtausenden einen zentralen
Stellenwert. Gemäß der "Traumzeit" - der bis heute anhaltenden
Schöpfungsperiode - wurde jeder Fels, jeder Fluss, jeder Berg von mystischen
Wesen kreiert. Verschiedene Gruppen der Ureinwohner haben deshalb die
stärkere Formulierung "custodianship" gefordert, was mit "Obhut" oder
"Schutzaufsicht" übersetzt werden kann. Sie wollten damit demonstrieren,
dass Aborigines gegenüber der Erde die anhaltende Verpflichtung haben,
sie zu pflegen und zu ehren. Man einigte sich schließlich auf die
schwächere Formulierung. Der sensible Kampf um die Landrechte nährte
die Befürchtung der weißen Australier hier eventuell ein zu
großes
Zugeständnis an die Ureinwohner zu machen. Dies dürfte ein Grund
der Ablehnung auch dieser schwächeren Formulierung der Präambel
gewesen sein. |
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