Propaganda und
Wirklichkeit im Dritten Reich
Im Januar 1936 waren die Nationalsozialisten schon drei Jahre an der
Macht und von Demokratie war in Deutschland längst keine Rede
mehr. Von Anfang an setzten sie eine gewaltige Propaganda-Maschinerie
in Gang, um die Deutschen von der Einzigartigkeit Hitlers zu
überzeugen. Der "wirksamste Propagandist" in eigener Sache war Hitler
selbst.
Gezielter Appell an die Gefühle - Angst - Hass - Terror
Die größte Beeinflussung fand am 18. Februar 1943 im Berliner
Sportpalast statt, als Propagandaminister Joseph Goebbels zum Totalen
Krieg aufrief ("Wollt ihr den totalen Krieg? Wollt ihr ihn, wenn nötig,
totaler und radikaler, als wir ihn uns heute überhaupt vorstellen
können?"), stimmten die 3 000 ausgewählten Parteigänger
in großer Hysterie zu. Sie grölten: Führer,
befiehl, wir folgen.
Es ist das vielleicht schrecklichste Kapitel und der Gipfel der
nationalsozialistischen Propaganda. Schamlos trieben Adolf Hitler
und Konsorten Deutschland in den Untergang, der sich so schon in Mein
Kampf herausdeuten ließ!
Schon als er noch ein weitgehend unbekannter, belächelter Provinzpolitiker
war, konnte Hitler Massen kraft seiner Reden begeistern und seine
Ideen bejubeln lassen.
Immer wieder und immer wieder wurde der Hass gegen Juden
geschürt, die Verachtung von Parlamentarismus und Demokratie
gepredigt, die Überlegenheit der arischen Rasse gepredigt
und eine glänzende Zukunft in Aussicht gestellt. Das war alles
vordergründig und falsch. Denn eine Weltverschwörung des Judentums
gab es nicht, eine arische Herrenrasse schon gar nicht - und die
glänzende Zukunft war der Krieg, der auf die Erweiterung des
neuen Lebensraumes im Osten gerichtet war. Ein richtiges politisches
Programm haben die Nazis nie gehabt. Darum ging es auch nicht. Angst
und Hass wurden den Deutschen eingetrichtert und das undurchsichtige
Versprechen einer nationalen Erneuerung, das letztendlich in der
Weltherrschaft und im Tausendjährigen Reich seine
Erfüllung finden sollte.
Dazu wurden gezielt Vernunft und Verstand ausgeschaltet,
die Emotionen geschürt. Die großen Auftritte Hitlers
wurden inszeniert. Der Führer erschien immer erst Stunden zu spät,
denn so konnte die Menge schon durch Hitlers Vorredner aufgeheizt werden.
Der Schein der Fackeln, Fahnenaufzüge, Uniformen,
Marschrhythmen und ekstatisch angestimmte Heilrufe erzeugten
eine Atmosphäre, der sich keiner entziehen konnte. Hitler
betrat die Veranstaltungen immer bescheiden von hinten, ging langsam durch
die Reihen, verharrte scheinbar, schüttelte ein paar Hände und
zeigte Volksnähe. Am Rednerpult begann er leise, eintönig
und ruhig. Erst nach einer ganzen Weile tobte, schrie und
ballte er die Fäuste und feuerte seine
Hasstiraden ab.
Die nationalsozialistische Propaganda erfasste nach der
Machtergreifung alle Bereiche des öffentlichen Lebens. Presse,
Rundfunk und Film, Wissenschaft und Literatur, Musik und bildende Kunst wurden
gleichgeschaltet. Wer sich dem widersetzte, dem drohte das KZ. Die Folge
war, dass die bedeutendsten Köpfe dieser Zeit (Albert Einstein, Bertolt
Brecht, Max Born, Thomas und Heinrich Mann, Ernst Bloch, Theodor Adorno und
Max Horkheimer und viele viele andere) in die Emigration gingen.
Deutschland, das in der Weimarer Republik eine kulturelle und geistige
Blütezeit erlebt hatte, musste nun geistig und künstlerisch
zwangsläufig verarmen. Mit der Bücherverbrennung hatte es
angefangen und mit der Entarteten Kunst nicht aufgehört.
Olympische Spiele - "Friedensfest Olympia"
Es herrschte der blanke Terror, (Verschärfung der Maßnahmen
gegen die Juden - "Nürnberger Gesetze" 1935), wobei sich Hitler
aus taktischen Gründen auch zurücknehmen konnte, was er 1936
bei den Olympischen Spielen in Garmisch-Partenkirchen und
Berlin bewies. Es war ihm allerdings nicht gelungen, den vorgeschriebenen
olympischen Eröffnungsspruch in seinem Sinne abzuändern. Dass man
nun mit besonderem Interesse auf Deutschland schaute, nutzte der Führer
zu einer eindrucksvollen Präsentation des Dritten Reichs
und verzichtete, allerdings nur für diese Zeit, auf alle
Maßnahmen gegen die jüdische Bevölkerung. Ein
paar deutsche Juden durften sogar an den Spielen teilnehmen. So nahmen
ausländische Politiker, Beobachter und Besucher das Bild eines zwar
autoritären, zugleich aber erfolgreichen und
friedfertigen Landes wahr. Eine gelungene Täuschung, die
von Leni Riefenstahl in ihren monumentalen Filmen über die Olympiade
(Fest der Völker und Fest der Schönheit) propagandistisch
entsprechend umgesetzt und überhöht wurde. Dass die Deutschen die
meisten Medaillen erringen konnten, war für Hitler Genugtuung ohne Ende
und für die Bevölkerung der Beweis, dass Hitlers Visionen Bestand
haben würden.
Hitlers Propaganda fiel also auf fruchtbaren Boden.
Definitionen:
Tausendjähriges Reich: Diesen aus dem religiösen Bereich
entlehnten Begriff nutzten die Nationalsozialisten zur propagandistischen
Überhöhung ihres Staates.
Konzentrationslager: Die Nazis hatten schon 1933 erste Konzentrationslager
eingerichtet, in denen sie zuerst politische Gegner und wenig später
auch Juden, Sinti und Roma, Geistliche, Angehörige religiöser Sekten
und Homosexuelle folterten. Die Rassenideologie lieferte den Nazis den Vorwand,
Juden in Konzentrationslagern zu inhaftieren. Während des Nazi-Regimes
wurden Millionen von Juden in Konzentrationslager gebracht und dort von den
Nationalsozialisten umgebracht. Viele Angehörige der anderen oben genannten
Gruppen wurden in diesen Konzentrationslagern ebenfalls ermordet.
Drittes Reich: Die Bezeichnung "Drittes Reich" gilt als Synonym für
den NS-Staat. Ursprünglich von mittelalterlichen Theologen geprägt,
gebrauchten die Gegner der Weimarer Republik diesen Begriff für ihre
Zwecke. Das "Dritte Reich" sollte nach Meinung antidemokratischer und
rechtsradikaler Gruppen die Weimarer Republik ersetzen. Hitler verkündete
1933, einige Monate nach seiner Machtergreifung und dem Sturz der Demokratie,
dass der von ihm geführte Staat - das "Dritte Reich" - Tausend Jahre
dauern werde.
Weimarer Republik: Die Weimarer Republik war der erste demokratische
Staat Deutschlands und dauerte von 1919 bis zur Machtergreifung Hitlers im
Januar 1933. |
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