Gedenken zum Tag der Bücherverbrennung 10. Mai 1933    

Plakette Schule ohne Rassismus       Politik - Deutschland - 1936

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Propaganda und Wirklichkeit im Dritten Reich
Im Januar 1936 waren die Nationalsozialisten schon drei Jahre an der Macht und von Demokratie war in Deutschland längst keine Rede mehr. Von Anfang an setzten sie eine gewaltige Propaganda-Maschinerie in Gang, um die Deutschen von der Einzigartigkeit Hitlers zu überzeugen. Der "wirksamste Propagandist" in eigener Sache war Hitler selbst.
 
Gezielter Appell an die Gefühle - Angst - Hass - Terror
Die größte Beeinflussung fand am 18. Februar 1943 im Berliner Sportpalast statt, als Propagandaminister Joseph Goebbels zum Totalen Krieg aufrief ("Wollt ihr den totalen Krieg? Wollt ihr ihn, wenn nötig, totaler und radikaler, als wir ihn uns heute überhaupt vorstellen können?"), stimmten die 3 000 ausgewählten Parteigänger in großer Hysterie zu. Sie grölten: Führer, befiehl, wir folgen.
 
Es ist das vielleicht schrecklichste Kapitel und der Gipfel der nationalsozialistischen Propaganda. Schamlos trieben Adolf Hitler und Konsorten Deutschland in den Untergang, der sich so schon in Mein Kampf herausdeuten ließ!
 
Schon als er noch ein weitgehend unbekannter, belächelter Provinzpolitiker war, konnte Hitler Massen kraft seiner Reden begeistern und seine Ideen bejubeln lassen.
Immer wieder und immer wieder wurde der Hass gegen Juden geschürt, die Verachtung von Parlamentarismus und Demokratie gepredigt, die Überlegenheit der arischen Rasse gepredigt und eine glänzende Zukunft in Aussicht gestellt. Das war alles vordergründig und falsch. Denn eine Weltverschwörung des Judentums gab es nicht, eine arische Herrenrasse schon gar nicht - und die glänzende Zukunft war der Krieg, der auf die Erweiterung des neuen Lebensraumes im Osten gerichtet war. Ein richtiges politisches Programm haben die Nazis nie gehabt. Darum ging es auch nicht. Angst und Hass wurden den Deutschen eingetrichtert und das undurchsichtige Versprechen einer nationalen Erneuerung, das letztendlich in der Weltherrschaft und im Tausendjährigen Reich seine Erfüllung finden sollte.
Dazu wurden gezielt Vernunft und Verstand ausgeschaltet, die Emotionen geschürt. Die großen Auftritte Hitlers wurden inszeniert. Der Führer erschien immer erst Stunden zu spät, denn so konnte die Menge schon durch Hitlers Vorredner aufgeheizt werden. Der Schein der Fackeln, Fahnenaufzüge, Uniformen, Marschrhythmen und ekstatisch angestimmte Heilrufe erzeugten eine Atmosphäre, der sich keiner entziehen konnte. Hitler betrat die Veranstaltungen immer bescheiden von hinten, ging langsam durch die Reihen, verharrte scheinbar, schüttelte ein paar Hände und zeigte Volksnähe. Am Rednerpult begann er leise, eintönig und ruhig. Erst nach einer ganzen Weile tobte, schrie und ballte er die Fäuste und feuerte seine Hasstiraden ab.
Die nationalsozialistische Propaganda erfasste nach der Machtergreifung alle Bereiche des öffentlichen Lebens. Presse, Rundfunk und Film, Wissenschaft und Literatur, Musik und bildende Kunst wurden gleichgeschaltet. Wer sich dem widersetzte, dem drohte das KZ. Die Folge war, dass die bedeutendsten Köpfe dieser Zeit (Albert Einstein, Bertolt Brecht, Max Born, Thomas und Heinrich Mann, Ernst Bloch, Theodor Adorno und Max Horkheimer und viele viele andere) in die Emigration gingen. Deutschland, das in der Weimarer Republik eine kulturelle und geistige Blütezeit erlebt hatte, musste nun geistig und künstlerisch zwangsläufig verarmen. Mit der Bücherverbrennung hatte es angefangen und mit der Entarteten Kunst nicht aufgehört.
 
Olympische Spiele - "Friedensfest Olympia"
Es herrschte der blanke Terror, (Verschärfung der Maßnahmen gegen die Juden - "Nürnberger Gesetze" 1935), wobei sich Hitler aus taktischen Gründen auch zurücknehmen konnte, was er 1936 bei den Olympischen Spielen in Garmisch-Partenkirchen und Berlin bewies. Es war ihm allerdings nicht gelungen, den vorgeschriebenen olympischen Eröffnungsspruch in seinem Sinne abzuändern. Dass man nun mit besonderem Interesse auf Deutschland schaute, nutzte der Führer zu einer eindrucksvollen Präsentation des Dritten Reichs und verzichtete, allerdings nur für diese Zeit, auf alle Maßnahmen gegen die jüdische Bevölkerung. Ein paar deutsche Juden durften sogar an den Spielen teilnehmen. So nahmen ausländische Politiker, Beobachter und Besucher das Bild eines zwar autoritären, zugleich aber erfolgreichen und friedfertigen Landes wahr. Eine gelungene Täuschung, die von Leni Riefenstahl in ihren monumentalen Filmen über die Olympiade (Fest der Völker und Fest der Schönheit) propagandistisch entsprechend umgesetzt und überhöht wurde. Dass die Deutschen die meisten Medaillen erringen konnten, war für Hitler Genugtuung ohne Ende und für die Bevölkerung der Beweis, dass Hitlers Visionen Bestand haben würden.
Hitlers Propaganda fiel also auf fruchtbaren Boden.
 
Definitionen:
Tausendjähriges Reich: Diesen aus dem religiösen Bereich entlehnten Begriff nutzten die Nationalsozialisten zur propagandistischen Überhöhung ihres Staates.
Konzentrationslager: Die Nazis hatten schon 1933 erste Konzentrationslager eingerichtet, in denen sie zuerst politische Gegner und wenig später auch Juden, Sinti und Roma, Geistliche, Angehörige religiöser Sekten und Homosexuelle folterten. Die Rassenideologie lieferte den Nazis den Vorwand, Juden in Konzentrationslagern zu inhaftieren. Während des Nazi-Regimes wurden Millionen von Juden in Konzentrationslager gebracht und dort von den Nationalsozialisten umgebracht. Viele Angehörige der anderen oben genannten Gruppen wurden in diesen Konzentrationslagern ebenfalls ermordet.
Drittes Reich: Die Bezeichnung "Drittes Reich" gilt als Synonym für den NS-Staat. Ursprünglich von mittelalterlichen Theologen geprägt, gebrauchten die Gegner der Weimarer Republik diesen Begriff für ihre Zwecke. Das "Dritte Reich" sollte nach Meinung antidemokratischer und rechtsradikaler Gruppen die Weimarer Republik ersetzen. Hitler verkündete 1933, einige Monate nach seiner Machtergreifung und dem Sturz der Demokratie, dass der von ihm geführte Staat - das "Dritte Reich" - Tausend Jahre dauern werde.
Weimarer Republik: Die Weimarer Republik war der erste demokratische Staat Deutschlands und dauerte von 1919 bis zur Machtergreifung Hitlers im Januar 1933.