Gedenken zum Tag der Bücherverbrennung 10. Mai 1933  

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14. 05. 2001

Max-Born-Schüler erinnerten an Jahrestag der Bücherverbrennung

Im Rahmen der "Aktionstage", die die Max-Born-Realschule als Schule ohne
Rassismus durchführt, arbeiteten dreizehn Klassen und Gruppen zum Thema
"Bücherverbrennung - 10. Mai 1933".
Jetzt präsentierten die Schülerinnen und Schüler ihre Arbeitsergebnisse.
Die Präsentation war so vielfältig wie die einzelnen Projekte. Die Besucher
wurden gleich am Eingang mit einem großen Scheiterhaufen, auf dem
symbolisch Bücher brannten, konfrontiert wie auch mit der körperlichen
Darstellung erfahrenen Leids in der damaligen Zeit. In Wort, Bild, Skulptur,
Musik und Tanz setzten sich die Schülerinnen und Schüler mit Themen
auseinander wie z. B. "Benno Elkan, ein Dortmunder Bildhauer",
"Ernst Barlach", "Die gesellschaftliche Rolle des Buches",
"Das Tagebuch der Anne Frank", "Entartete Kunst", "Chariesio"
oder "Bücherverbrennung in Dortmund".


14. 05. 2001

Schwarze Masken rund ums Feuer
Schüler erinnern an die Bücherverbrennung der Nazis 1933

Asseln- Die Max-Born-Realschule durfte als erste in der Bundesrepublik den Namen
"Schule ohne Rassismus" tragen. Sie wird auch heute noch durch zahlreiche Projekte
ihrem Ruf gerecht. Die jüngste Aktion trägt den Namen "Erinnerungstage". Unter dem
Motto "Bücherverbrennung 1931: Erinnern für Gegenwart und Zukunft" präsentierten
die Schüler aus allen Jahrgangsklassen ihre Werke zum Thema Nationalsozialismus.
Das Spektrum der Ideen reicht von Dia-Vorträgen über Lesungen und Plastiken bis hin
zu einem Wandbild. "Die Schüler waren sich einig, dass man die Szenen aus der
Kriegszeit eigentlich nicht nachstellen darf und sollte", erklärt die Schulleiterin
Brigitte Cramer. "Um trotzdem nicht zu vergessen, was damals geschah, haben sie bei
ihren Projekten die Sachen etwas verfremdet", fügte sie hinzu. Mit dem unübersehbaren
Wandbild, dass ebenfalls die Bücherverbrennung von damals darstellt, hat sich die
10. Klasse beschäftigt. Verbrannt werden dort Bücher von Freud, Brecht und Kästner,
die stellvertretend für alle Schriftsteller stehen. Um das Feuer herum stehen einige
Leute und Soldaten, die von einer Riesenschlange umringt werden, die das Feuer anfacht.
"Sie steht für das Böse, und keiner kann sich ihr entziehen", erklärt der Schüler
Christian Sadrinna. "Die Täter von damals haben wir bewusst schwarz und schablonenhaft
dargestellt, weil sie heute anonym sein möchten", fügt sein Mitschüler Ralf Schuster zu.
Auch der Dortmunder Künstler jüdischer Abstammung, Benno Elkan, war ein Thema.
Schüler der 8. Klasse hielten ein Diavortrag über diesen Mann, der 1933 fliehen musste.
Sein berühmtestes Werk, die 4 Meter hohe Menorah, steht vor dem Parlamentsgebäude in
Jerusalem. "Sein letztes Werk hat er jedoch Dortmund gewidmet", berichtet eine Schülerin.
"Es stellt das Leiden der Dortmunder unter den Bomben dar". An die Folgen von Bomben
erinnert die Aktion "Schmerzkörper". "Die Bilder, die im Hintergrund hängen, haben wir
bewusst abgedeckt, da Hitler sie damals verbot", erklärte Schüler Dominik Wichert.
Man darf schon auf das nächste Projekt der Schüler gespannt sein.
Aida Demirovic



 
02. 10. 2001

Zeitzeuge half bei Bücherverbrennung

Brackel. (wma) "Ich gehöre zu der schweigenden Generation. Wir haben die Zeit des
Nationalsozialismus erlebt und wollen das Erlebte lieber verdrängen." Doch das gilt nicht
für Friedrich Gatter. Er sucht seit Jahren den Kontakt zu Jugendlichen, um mit ihnen über
die NS-Zeit zu reden. Friedrich Gatter berichtete über die Bücherverbrennungen. (-itz)
 
            Copyright: Westfälische Rundschau
 
Auch in der Max-Born-Realschule ist Friedrich Gatter, Jahrgang 1923, oft zu Gast. Und so
sagte er auch seine Unterstützung bei einem Projekt der 9. Klasse zu, die sich mit der
Bücherverbrennung in der NS-Zeit auseinandersetzt. "Ich möchte den Schülern anhand
eines Textes von Egon Erwin Kisch erklären, warum damals Bücher verbrannt wurden."
Der ehemalige Lehrer Gatter hat den Text "Wallfahrt für Kriegshetzer" ganz bewusst
ausgesucht. "Kaum jemand kennt heute Kisch. Seine Bücher wurden verbrannt, weil er
Pazifist war." Gemeinsam mit der Schülerin Liza Armann liest Friedrich Gatter den
interessierten Schülern den Text vor, in dem die Schrecken und die Sinnlosigkeit eines
Krieges sehr drastisch dargestellt werden. Im Anschluss stellt Liza Armann dem
Zeitzeugen einige Fragen zur damaligen Zeit. Ob er etwas von der Bücherverbrennung
mitbekommen habe? "Ja, ich musste als Schüler selbst helfen, die Bücher zu verbrennen.
Das fiese Lachen der Lehrer werde ich nie vergessen." Sein Vater habe zuhause wenig
über die Aktion geredet. "Als Schutz für uns Kinder. Kinder erzählen unbedarft Dinge weiter.
Das war zu riskant." Mit seinen eigenen Kindern hat sich Friedrich Gatter aber über die Zeit
unterhalten. "Ich musste gar nicht von mir aus anfangen. Meine Kinder haben mir viele
Fragen gestellt." Inzwischen zählt sich der Zeitzeuge auch nicht mehr zu der schweigenden
Generation, weil er seit langem über seine eigene Vergangenheit reden kann. Denn ein
Zeitzeuge kann den Jugendlichen mehr vermitteln als Schulbücher. In der Buchhandlung
Niehörster zeigt eine Ausstellung noch bis zu Beginn der Herbstferien, Schülerarbeiten
zum Thema Bücherverbrennung.


 
         
     

01.10.2001